Danke für deine Hilfe


Ich kuschle mich am helllichten Tag ins Bett und schlage einen spannenden Roman auf, in dessen Welt ich mich gleich verlieren möchte. Mir wird eine heiße Schokolade mit Marshmallows ans Bett gebracht. Kurz frage mich, ob ich träume. Ich bin weder krank, noch habe ich Geburtstag. Es ist ein normaler Tag, den ich mit meinen Kindern bei meiner Herkunftsfamilie verbringe. Zwei meiner Schwestern haben die Kinder für einen Spaziergang mit nach draußen genommen und mir wird damit eine Stunde nur für mich geschenkt.

Ich nehme einen Schluck des duftenden Getränks, lese die ersten Zeilen des Kapitels und könnte jetzt einfach nur genießen. Doch fühle ich mich irgendwie blockiert. So sehr ich mich immer mal wieder nach solchen Auszeiten sehne, so schwer fällt es mir, sie dann anzunehmen, wenn sie mir ermöglicht werden: Schließlich haben jetzt andere mehr zu tun, weil ich hier „faul“ herumliege.

Wieso fällt es mir nur so schwer, Hilfe anderer anzunehmen? Im familiären Umfeld kann ich es ja noch am ehesten zulassen; bieten mir Freunde ihre Unterstützung an, dann wehre ich sie oft höflich ab. Was lässt mich in diese Abwehrhaltung gehen? Ich versuche dem nachzuspüren: Meine größte Sorge ist wahrscheinlich, jemandem zur Last zu fallen. Ich möchte nicht, dass jemand meinetwegen Strapazen auf sich nehmen muss. Dazu schleicht sich die Sorge, dass ich die mir entgegengebrachte Freundlichkeit nicht angemessen würdigen kann. Mir ist klar, dass nicht jeder eine Gegenleistung fordert, doch möchte ich mich wenigstens angemessen bedanken und ich habe oft das Gefühl, dass mir dies nicht ausreichend gelingt. Manchmal gesellt sich zu diesen Bedenken auch mein Stolz: Ich muss das doch alleine schaffen! Es ist doch meine Aufgabe, mich um die Kinder zu kümmern. Da muss ich jetzt alleine durch…

Was ich bei meinen Überlegungen/negativen Gefühlen übersehe, ist mein Gegenüber – die Person, die mir ihre Hilfe anbietet. Tue ich ihr vielleicht Unrecht, wenn ich ihr Hilfsangebot nur als Akt reiner Höflichkeit abtue? Nehme ich mit meinem übersteigerten Ehrgeiz, es allein zu schaffen, dem Anderen die Chance, im Helfen ein befriedigendes Glück zu erleben? Würde ich dem Anderen nicht eine echte Freude bereiten, wenn er mich mit seinen Gaben unterstützen kann?

Ich muss erkennen, dass es mir viel leichter fällt, Hilfe zu geben, als sie zu nehmen. Eine gute Möglichkeit, mich darin zu üben, immer häufiger „Ja“ zu sagen, wenn mir jemand seine Zeit und Energie zur Verfügung stellen will. Es geht nicht darum, jedes Hilfsangebot unreflektiert annehmen zu müssen, doch nehme ich mir vor, nicht aus ängstlichen oder egoistischen Gründen „Nein“ zu sagen.

Mit diesen Gedanken nehme ich mein Buch wieder zu Hand und lese und lese. Ich tauche in eine fremde Welt ein, kann die Sorgen des Alltags ausschalten, Kraft sammeln – ein Moment nur für mich – ermöglicht durch die Hilfsbereitschaft anderer; möglich, weil ich „Ja“ gesagt habe…

„Danke, Gott, für die Menschen, die du mir an die Seite gestellt hast, die mir manche Lasten des Lebens erleichtern. Hilf mir das Geschenk der Hilfsbereitschaft immer wieder dankbar entgegen zu nehmen und mit einem fröhlichen Herzen zu genießen.“


1 Kommentare

  1. Christine

    Ich kann deine anfänglichen Gedanken sehr gut nachempfinden und finde es sehr hilfreich, wie Du versuchst, sie positiv zu verändern. Vielen Dank!

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