Kontrolle – Mein Gebet


Letztens hörte ich die bewegende Geschichte einer Frau, die 1971 als einzige von 92 Passagieren einen Flugzeugabsturz aus 3000 Meter Höhe überlebte. Sie kämpfte sich tagelang durch den Urwald, bis sie völlig entkräftet und fast verhungert auf Menschen traf, die sie versorgten. Als das Flugzeug auseinanderbrach und abstürzte, war da ein Gefühl völligen Ausgeliefert-Seins, keine Chance, selbstwirksam die Situation zu retten. Im Urwald kämpfte sie tapfer um ihr Überleben, beim Absturz war diese starke Frau machtlos.

Ein Psychologe kommentierte das Erlebnis der Frau. Er meinte, dass wir Menschen versuchen, unser Leben ständig zu kontrollieren. Dabei gäbe es unzählige Momente, in denen wir keine wirkliche Kontrolle über unser Leben haben und einfach vertrauen müssen, dass wir gut aus dem Moment hervorgehen.

Eine ernüchternde Vorstellung. Sind wir also oft einem willkürlichen Schicksal überlassen, das es entweder gut oder schlecht mit uns meint? Ist das Leben ein Würfelspiel, das entweder im Sieg oder Niederlage endet? Nein, das will ich nicht glauben und doch könnte ich aus meinem Alltag die gleichen Rückschlüsse ziehen:

Denn der Alltag mit Kindern erscheint mir oft unberechenbar: Es beginnt schon morgens beim Aufstehen. Wie lange werden die Kinder heute schlafen? Stehen sie mit einem fröhlichen Lächeln auf, oder müssen schon am Morgen Tränen getrocknet werden? Sind sie gesund, oder ist wieder jemand von ihnen erkältet? Streiten sich die beiden noch vor dem Kindergarten, oder spielen sie noch ein paar Minuten harmonisch miteinander? Wird der Große mutig in den Kindergarten gehen, oder ist die Angst heute größer?

Ich weiß, mein Verhalten gegenüber den Kindern hat einen großen Einfluss auf sie und ihr Erleben. Wenn ich sie schon fröhlich lächelnd am Morgen begrüße, ist auch ihr Start in den Tag ein leichterer. Wenn ich mir vielleicht sogar vor dem Kindergarten die Zeit nehme, etwas mit beiden zu spielen, herrscht weniger Streit. Wenn ich mit dem Großen bete und ihm zuspreche, dass er mutig und stark ist, dann wird ihn das stärken. Wenn ich sie viel Obst und Gemüse essen lasse, wird das ihr Immunsystem stärken.

Und trotzdem kommt es immer wieder zu Tränen, zu Wut, zu Weigerungen, einer Bitte nachzukommen und auch zu Krankheit. Sie sind halt keine Marionetten (was ich sehr gut finde). Ich kann nicht in alles positiv hineinwirken und zum Guten verändern. Ich kann meine Kinder, den Alltag mit ihnen und auch meine Gefühle nicht vollends kontrollieren. Die endgültige Kontrolle liegt nicht bei mir.

Wo liegt sie dann? Ich glaube an einen Gott, der die Kontrolle über mein und dein Leben behält. Der einen Plan für unser Leben hat und nicht unser Unglück, sondern unser Glück will (vgl. Jeremia 29,11; der Trautext von meinem Mann und mir). Aus diesem Grund hat sich in den letzten Wochen ein Gebet auf meine Lippen gelegt, dass ich immer wieder spreche, wenn ich mich ohnmächtig und kraftlos fühle: „Vater im Himmel, übernimm du die Kontrolle über diesen Tag!“ Ich gebe in diesen Momenten bewusst die Kontrolle ab, gestehe mir ein und zu, dass ich es momentan allein nicht schaffe und vertraue darauf, dass mein Gott mir gerne helfen wird.

Und ich kann euch sagen, ich habe erlebt, wie sich mit dem Gebet etwas verändert hat. Nicht immer an der Situation. Oft haben die Kinder trotzdem weiter gestritten, oder meine Pläne gingen nicht auf. Doch es hat sich etwas in mir verändert. Ich wurde ruhiger, gelassener, konnte das Jetzt besser annehmen und hatte die Hoffnung, dass alles gut werden würde. Aus diesem Grund wird das Gebet mich noch weiter begleiten. Mit ihm werde ich mich mutig ins Leben stürzen und darauf vertrauen, dass Gott selbst die Momente in der Hand hält, in denen ich mich so fühle, als würde ich mit dem Flugzeug abstürzen.


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