Montessori – Wie mich Youtubevideos über Montessori zum Nachdenken gebracht haben?


Seit ich Mama bin und dann auch noch eine, deren Kinder (16 Monate und fast 4 Jahre) noch keine Kita von Innen gesehen haben, (Dass wir über einer Kita wohnen, zählt wahrscheinlich nicht, oder?) bin ich in regelmäßigen Abständen auf der Suche nach Spielideen, die auf das Alter meiner Kinder angepasst sind. Während dieser Recherchen stieß ich vermehrt auf Maria Montessori und Spielzeuge, die anhand ihres Konzeptes entwickelt wurden. Und diese sprachen mich erstaunlich häufig an. Auch, wenn ich Kinderzimmer sehe, die nach Montessori Richtlinien gestaltet wurden, bin ich oft ein wenig neidisch und schlimmer noch… frage mich, wie meine Kinder sich in unserer Wohnung gut entwickeln können (Ja, ich überdramatisiere gelegentlich Lebenssituationen… behauptet zumindest mein Mann.)

Auch mit dem Wissen, dass Youtube- Videos keine Fortbildung im Bereich Montessori ersetzen können, gibt es ein paar Punkte, die mich auf meiner heutigen Ideensuche angesprochen haben und die ich als Teilens wert erachte. Also aufgepasst:

1. Selbstständigkeit

Montessori ist wohl sehr daran interessiert, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen. Dabei sind Eltern und Erzieher nur Hilfeleistende, wenn das Kind an seine Grenzen stößt.

Ein Punkt, den ich theoretisch vollkommen unterstütze und natürlich auch praktisch umsetzen möchte. Nichts freut mich mehr, als wenn meine Kinder eigenständig Dinge bewältigen, die sie vorher nur mit meiner Hilfe durchführen konnten. Doch ist nicht jedes Kind gleich stark daran interessiert, alle praktischen Tätigkeiten des Lebens ohne Mama anzugehen. Mein Großer steht so regelmäßig bettelnd vor mir, weil er nicht allein ins Bad gehen möchte und glaubt, mit dem Händewaschen überfordert zu sein. Ich ermutige ihn dann es allein zu versuchen und verspreche ihm nachzukommen, wenn es ihm nicht gelingt. Sein Bedürfnis nach Selbstständigkeit ist in einigen (vielen) Bereichen noch nicht vorhanden, doch bin ich mir sicher, dass er mich spätestens mit 18 Jahren nicht mehr beim Händewaschen dabeihaben will. Ich möchte mir auch da in Erinnerung rufen: Alles zu seiner Zeit.

Gleichzeitig ist es angebracht, mich zu hinterfragen, wo ich meinem Sohn zu viele Tätigkeiten abnehme. Wie oft ziehe ich ihm schnell die Schuhe an, damit wir mit unseren Freunden nach draußen gehen können, anstatt ihm die zwei Minuten zu gewähren, es allein zu tun. Beim Erstgeborenen ist es oft so natürlich, alles mit und für ihn zu erledigen, dass ich mich bewusst ermahnen muss, ihm die Chance zu geben, auch einmal an einer Aufgabe zu scheitern…

2. Ordnung und begrenzte Spielzeugauswahl

Wie schon gesagt, empfinde ich nach Montessori gestaltete Kinderzimmer, sehr ansprechend. Sie wirken so aufgeräumt und gleichzeitig einladend für die Kinder. Was wahrscheinlich daran liegt, dass sie es auch sind. So wird den Kindern nur eine überschaubare Menge an Spielzeug in für die Kinder zugänglichen Aufbewahrungen angeboten. Man arbeitet z.B. viel mit Regalsystemen, in denen jedes Spielzeug seinen festen Platz hat und zum Spielen bereit liegt. Das Kind wird so zum freien Spielen ermutigt und ist nicht durch eine zu große Spielzeugauswahl überfordert.

Hier merke ich wieder, wie zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich unsere Spielzeugsammlung als zu klein empfinde. Scheinbar ist zu wenig Spielzeug vorhanden, mit dem die Kinder gerne spielen. Hätten wir vielleicht noch dieses oder jenes Spielzeug, dann könnten sich die Kinder vielleicht noch besser länger alleine beschäftigen… Manchmal (und das ist der realistischere Blick) ist mir jedoch bewusst, dass wir einige der Spielzeugkisten auf die Hälfte oder weniger reduzieren könnten und trotzdem glückliche Kinder durch unsere Wohnung rennen würden. Somit lädt mich Montessori ein, auszumisten und mich auf weniges/ Sinne förderndes Spielzeug zu beschränken.

Zu dem Thema – offene Regalsysteme. Ja, die finde ich in Kinderzimmern auch schön, doch da wir einen Großteil des Spielzeugs in unserem Wohnzimmer verstaut haben, fällt es mir schwer, da nur mit offenen Systemen zu arbeiten. Oft freue ich mich, dass bunte Spielzeug hinter Türen oder in Boxen verstauen zu können und dadurch stimmig in meinem Wohnzimmer-Farbkonzept zu bleiben. Ich weiß, dass ich somit häufiger gefordert bin, den Kindern zu zeigen, welche Spieloptionen sie noch haben, obwohl sie mittlerweile auch sehr zielstrebig die jeweiligen Boxen öffnen und bespielen. Für das zukünftige Kinderzimmer bin ich jedoch sehr an offenen Regalen interessiert.

3. Spielzeug aus vorhandenen Materialien herstellen

Die Mamis, deren Youtube-Videos ich spannungsvoll geschaut habe, waren alle so kreativ, wenn es um das erstellen von Spielzeug ging und dabei waren oft nur sehr einfache Materialien von Nöten. Deshalb möchte ich mit euch zwei Spielideen teilen, die ich schnell umsetzen konnte. Beide wurden von meinen Kindern gut angenommen.

Geometrische Figuren erkennen lernen (für Kinder ab 4 Jahren)

Dazu habe ich im Haushalt und in den Spielzeugkisten nach Gegenständen gesucht, die eindeutig als Kugel, Würfel, Quader und Zylinder erkennbar sind. Eine Auswahl solcher Gegenstände wanderte dann in ein kleines Körbchen. Ganz unspektakulär malte ich dann die jeweiligen Körpertypen auf Zettel und beschriftete sie in gut leserlicher Druckschrift.

Wie wir damit spielen? Am Morgen hole ich den Korb vom Regal (Ich könnte meinen Sohn eigentlich auch mal losschicken… So im Sinne der Selbstständigkeitsförderung…) und stelle ihm die jeweiligen Körper vor. Dabei erkläre ich ihm, welche besonderen Eigenschaften die jeweiligen Körper kennzeichnen. Z.B., dass die Kugel keine Ecke besitzt. Dann sucht mein Sohn aus dem Korb einen Gegenstand und versucht ihn zu benennen und dem richtigen Bild zuzuordnen. Das spielen wir so lange, bis das Interesse daran verloren ging. Durch die tägliche Wiederholung festigen sich die Begriffe. Als mich nach drei Tagen „üben“ mein Sohn am Abend fragte, ob das Buch, das auf dem Boden lag, ein Quader sei, da staunte ich wirklich darüber, dass anscheinend ein Lerneffekt eingetreten war.

Natürlich kann man noch weitere geometrische Formen einbauen (Kegel, Pyramiden), nur habe ich dazu bisher keine passenden Gegenstände in meiner Umgebung entdeckt.

Abdrücke in Knete (ab 1 Jahr)

Für diese Idee benötigt man Knete (z.B. Play-Doh) und viele (möglichst kleine) Gegenstände mit unterschiedlichen Oberflächen. Wir haben für Krimskrams ein großes Glas. Aus diesem haben wir uns mit Gegenständen bedient.

Liegen diese Utensilien bereit, dürfen die Kinder die Gegenstände in die Knete drücken und darüber staunen, welche Abdrücke entstehen. (Naja, unsere Einjährige interessiert sich weniger für die Abdrücke und freut sich an dem Reindrücken und Herausnehmen der Gegenstände.) Diese Beschäftigung kommt auch noch bei unserem Großen gut an. Mit ihm kann man auch schon darüber sprechen, dass unterschiedliche Materialen verschiedene Oberflächen besitzen und dadurch andere Abdrücke entstehen. Manchmal hat er für diese Erklärungen ein offenes Ohr und manchmal merke ich auch, dass ich mit dem Gequatsche aufhören soll und ihn einfach spielen lassen darf und muss.

Vielleicht wurde das Interesse für Montessori und ihre Ideen jetzt auch bei euch geweckt oder ihr könnt schon Erfahrungen aus diesem Bereich berichten. Ich bin gespannt.

Es grüßt euch lieb
eure Manuela


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