Wenn ein Ort zur „Urlaubsheimat“ wird


Man kann es kaum glauben, aber unsere Familie macht schon seit 16 Jahren Sommerurlaub am gleichen Ort. In diesem Jahr haben wir mal wieder Urlaub als Großfamilie erlebt, d.h. unsere Eltern, wir Geschwister und Manuelas Kinder, alle waren mit am Start. Der Ort, an den es uns jedes Jahr verschlägt, liegt hoch im Norden Deutschlands, am Ostseefjord Schlei. Dort wohnen und wohnten wir in einer kuscheligen Ferienwohnung (dass wir wenn nötig zu 10. in eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern gepasst haben, ist eine andere Geschichte) auf einem Ferienhof in einem kleinen Dorf.

Schon oft wurden wir gefragt, ob es denn nicht langweilig sei, immer am gleichen Ort seinen Urlaub zu verbringen. Ja, als Kind haben wir uns das auch oft gefragt, aber irgendwie entschieden wir uns dann doch alljährlich wieder für diese „Urlaubsheimat“. Dies war wahrscheinlich zum großen Teil auch der Liebe zur Beständigkeit und Vertrautheit unserer Mutter zuzuschreiben.

Was wir als Kinder manchmal ändern wollten, können wir heute als Erwachsene mit großem Wert bemessen. Welche Vorteile wir aus diesem Urlaubsstil ziehen können, wollen wir hier mit euch teilen.

1. Eine zweite Heimat

Wenn wir die lange Autofahrt schon fast geschafft haben und das Urlaubsziel immer näher rückt, fängt es plötzlich an, dieses Gefühl im Bauch. Wir sehen aus dem Auto, wie sich die Landschaft verändert und entdecken immer mehr Vertrautes. Da steht das alte Bauernhaus mit seinen süßen Fensterlädchen und den Stockrosen davor, dann hören wir das vertraute Klappern der alten Brücke und durch das Autofenster trifft uns diese Prise Meeresluft. Ja wir können unsere „Urlaubsheimat“ förmlich riechen. Es ist wie „nach Hause kommen“. Als Erwachsene, die wir schon an manchen Orten gewohnt haben, können wir dieses Gefühl mit dem Ankommen an dem Ort unserer Kindheit vergleichen. Es braucht keine lange Eingewöhnungszeit bis man endlich abschalten kann und man beginnt, sich wohlzufühlen. Dies liegt vor allem auch an der wunderbaren familiäre Atmosphäre auf dem Hof.

 

2. Wissen, wo alles ist und was einen erwartet

Wenn wir ankommen, geht das Auspacken wie von selbst, so oft haben wir schon unsere Taschen in die Zimmer gestellt, die Küchenutensilien verstaut und das Wohnzimmer mit unseren Bücherstapeln bestückt. Es ist ein regelrechter Automatismus und kostet uns daher weniger Kraft und wir können sofort nach dem Auspacken die schönen Dinge des Urlaubs genießen. Nicht nur in der Wohnung kennen wir uns bestens aus, sondern auch das Dorf und die Umgebung, die Städte mit ihren Attraktionen und Einkaufsmöglichkeiten sind uns vertraut. So wissen wir sofort, wo wir das Nötigste besorgen können, welches unsere absoluten Lieblingsläden und Plätze (Strände) sind und wo wir unbedingt wieder vorbeischauen müssen. Das spart Stress und Zeit. Natürlich entdecken wir auch immer wieder gerne Neues und sind dann oft doch überrascht, wie viel wir manchmal nach all den Jahren noch nicht gesehen haben

 

3. Die Kleinigkeiten genießen

Wenn man im Urlaub immer an unterschiedliche Orte reist (auch so haben wir als Erwachsene schon ,,geurlaubt“) möchte man dort wirklich die Highlights der Umgebung mitnehmen und möglichst viel erleben und entdecken. Manchmal steht man förmlich unter Zeitdruck, in den paar Tagen, die einem bleiben, alles zu schaffen und sich nebenbei noch zu erholen. Dieses Erlebnis holt einen kaum noch ein, wenn man einfach schon seit Jahren immer wieder den gleichen Ort ansteuert. Wir haben schon sehr viel Sehenswertes in den Jahren erkundet und können gut selektieren, womit wir noch einmal unsere Zeit füllen wollen. Dadurch können wir uns auch den Kleinigkeiten hingeben. Mit den Kindern durchs Dorf spazieren, Eisessen in unserer Lieblingseisdiele, endlos Matschburgen am Schleistrand bauen, bei Regenwetter gemeinsam Spiele spielen, auf der Wiese liegen und dem Blätterrauschen lauschen. Wenn wir beginnen, die vielen vielen Kleinigkeiten zu genießen, dann sind wir genau im Hier und Jetzt. Dann bleibt der ganze Alltagstrubel von Zuhause weit weg und wir spüren nur noch die Urlaubsatmosphäre.

4. Freunde treffen

Auf dem Ferienhof, den wir jedes Jahr besuchen, gibt es sieben Ferienwohnungen. So konnten jedes Jahr auch Freunde unserer Familie mit uns in den Urlaub fahren. Als wir klein waren, hatten wir so immer die perfekten Spielgefährten dabei. Räuber und Gendarm und Zirkusvorführungen waren so inklusive. So nannten wir eine andere Großfamilie liebevoll unsere Urlaubsfreunde, da wir hier am liebsten Zeit mit ihnen verbrachten. Jetzt, wo wir erwachsen sind, fahren ab und an auch noch Freunde mit uns mit. Aber 16 Jahre an den gleichen Urlaubsort zu fahren, ist halt nicht für jeden was. Deshalb hat jetzt meist schon wieder die nächste Generation (Manus Kinder) Spielgefährten dabei. Dieser Urlaubsort verbindet einen irgendwie. Wenn man sich dann mal an einem anderen Ort trifft, kommen wir meist in den Gesprächen wieder auf den gemeinsamen Urlaub zurück und schauen Bilder an. Dann ist es wieder da, dieses Gefühl von unserer „Urlaubsheimat“.

 

5. Sich stärker wahrnehmen

Da sich der Urlaubsort nicht groß verändert, spürt man über die Jahre nur seine eigene Entwicklung. Wenn wir jetzt die vertrauten Wege entlang spazieren, kommen Erinnerungen und Bilder aus der Kindheit zurück. Wir denken an Kindheitsträume, damalige Schmetterlinge im Bauch und merken, wie wir über die Jahre erwachsen geworden sind. Wir schätzen plötzlich Situationen oder Gedankenspiele neu/anders ein, werden dankbarer für die vergangen Jahre... Das lässt uns nach vorne blicken. Und wir können neue Träume entstehen lassen.

 

Wir wissen zwar, das wir hier nur für uns reden können und das auch manche Menschen eine andere Erwartungshaltung an ihren Urlaub hegen. Nicht jeder wird in dem, was wir erfahren, die perfekte Urlaubsstimmung fühlen. Manch einer braucht in seinem Urlaub einfach den ständigen Kick, liebt es, das Neue zu entdecken oder von einem Highlight zum anderen zu rasen. Aber vielleicht konnten wir euch mit unseren Erfahrungen unserer „Urlaubsheimat“ ein wenig Mut machen zur Beständigkeit. Auch wenn es im Urlaub mal an einen Ort geht, den ihr schon so gut zu kennen scheint, oder ihr es einfach nicht schafft zu verreisen und Urlaub im Garten macht. Es gibt immer etwas, dass sich neu zu entdecken lohnt oder das kleine Glück, das darauf wartet gespürt und genossen zu werden.

Wie oft es uns noch in den Norden in unsere „Urlaubsheimat“ verschlägt, wissen wir nicht. Aber wir können den Sommer im nächsten Jahr schon kaum erwarten, wenn wir wieder unterwegs sind und dann endlich diese Prise Urlaubsglück riechen können.


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  1. Pingback: Sommerregen und kleines Glück zum Selberpflücken | mit uns zusammen

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