Unsere Worte haben Macht


Welch starke, negative Kraft Worte haben können, das merkte ich schon sehr früh. Ich war vielleicht zehn Jahre alt und schwärmte das erste Mal für einen Jungen und ich dachte, er auch für mich. Am Anfang tat er das anscheinend auch, doch dann besuchten wir ihn und seine Familie nach einem Jahr wieder und sein Interesse für mich war verloren. Mein Bruder verriet mir den Grund. Er meinte: „Er findet dich zu dick.“ Das hatte gesessen. Eine Aussage, die sich in mein Herz brannte und mir über Jahre das Gefühl gab, äußerlich nicht zu genügen.

Zu viele Menschen mussten in ihrem Leben Worte über sich hören, die sie verletzt, verunsichert und vielleicht sogar zerrissen haben. Da ist mein Beispiel noch harmlos. Selbst Eltern und enge Freunde, die uns doch eigentlich bedingungslos lieben sollen und meist auch wollen, können mit ihren Worten tiefe Wunden hinterlassen. Viele Sätze wurden achtlos und vielleicht sogar in guter Absicht ausgesprochen und hatten doch die Macht, negativ zu beeinflussen.

Doch müssen Worte nicht nur zerstören. Sie können auch heilen. Erst vor ein paar Tagen haben Worte einer mir fremden Person meinem Herzen wohlgetan. Ich war mit meinen Kindern in der Stadt unterwegs und die Tochter war sehr müde. Der Trotzanfall in der Apotheke war also vorprogrammiert gewesen. Meine Schultern waren also ziemlich verspannt und in meinem Kopf hörte ich schon leise die Stimme: „Du bist keine gute Mutter.“ Da ich für meinen kranken Mann ein paar Lebensmittel besorgen musste, wagte ich mich mit den Kindern noch in den Supermarkt. So schnell wie möglich raste ich durch die Gänge und betete, dass an der Kasse kein großer Aufstand passieren würde. Es gab an der Kasse zwar keine Tränen und trotzdem quengelten die Kinder ein wenig und ich ging während des Bezahlens kurz auf sie ein. Ich wollte meinen Wagen schon Richtung Ausgang drehen, da sagte die Kassiererin leise zu mir: „Ich finde das schön, wie sie das mit den Kindern machen. Das erlebt man heutzutage so selten.“ Ich war perplex und so gerührt, dass auf dem Weg zum Parkplatz sogar eine Träne über meine Wange rollte. Hatten mir diese wertschätzenden, liebevollen Worte der Unbekannten doch ein Pflaster auf mein unsicheres, selbstzweifelndes Mutterherz geklebt.

Liest man bis hierher, könnte man meinen, dass wir hilflos den Worten anderer Menschen ausgeliefert sind, dass wir jeden Satz anderer unbewusst in uns aufsaugen müssen und entweder darunter verwelken oder aufblühen. Jedoch ist es nicht so. Ja, manche Worte kann man nur schwer vergessen und trotzdem ist es unsere Entscheidung, welchen Worten wir glauben. Glauben wir den Lügen anderer über unser Leben (und unsere eigenen Lügen), oder wollen wir uns für die Wahrheit entscheiden, die der himmlische Vater über uns ausspricht. Er spricht uns zu, dass wir gut sind, so wie wir sind. Ich möchte auf die Worte des Lebens hören, die Negativaussagen über mich übertrumpfen, mich zum Strahlen bringen und Kraft für den Alltag geben.

Und was ist mit meinen Worten? Auch meine Worte haben Auswirkungen auf andere! Ich bin aufgefordert, anderen Worte des Lebens zuzusprechen, Gutes über sie auszusprechen, ihre Stärken zu suchen und auch einmal in Worte zu fassen. Manchmal denke ich zwar, oh, das hat der oder die aber gutgetan, oder bewundere jemand für eine Charaktereigenschaft, doch hört der andere nie etwas davon. Lasst uns Menschen zum Strahlen bringen und die Liebe weitergeben, die auch für uns bereitsteht.

„Worte haben Macht: Sie können über Leben und Tod entscheiden. Wer sich gerne reden hört, muss mit den Folgen leben.“ Sprüche 18,21 (Hoffnung für alle)


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