Lautes Leben


„Auf dem Blog ist es ja ziemlich leise geworden …“, schrieb mir eine Freundin in einem Brief. „Recht hast du!“, dachte ich mir. Wie oft hatte ich in den letzten Monaten ein paar Zeilen über das Leben in ein leeres Dokument getippt, um dieses nach wenigen Sätzen wieder zu schließen. Ich hätte so viel erzählen können, doch fehlte die Luft zum Sprechen. Nach außen hin war ich leise, denn in mir drin und nah an mir dran, da war es laut …

Da gab es zum einen den Baustellenlärm. Irgendwie hatte ich verdrängt, wie laut es auf einer Baustelle zugeht. Chaos hatte ich erwartet, doch die Geräusche von Bohrern und Schleifgeräten hatten sich nicht in meine Erinnerung gebrannt.

Neben Maschinengeräusche drangen täglich laute Kinderstimmen an mein Ohr. Welch großes Geschenk, dass sie im neuen Zuhause laut sein dürfen, weil unsere Nachbarn/Verwandten dafür Verständnis haben. Doch wenn fünf Kinder gemeinsam das Haus erobern, dann hört man das. Und wenn sich dann noch die vier Nachbar-Kinder dazugesellen, dann wirbelt noch mehr Lebensfreude über unser Grundstück.

Fröhlich und laut ging es auch an der Einschulungsfeier des Großen zu. Omas und Opas, Onkel und Tanten, Nichten und Neffen genossen erst den Einschulungsgottesdienst und machten sich dann in unserem Garten breit. Beim gemeinsamen Fußballspielen hallten Anfeuerungsrufe durch die Luft. Am meisten feuerten wir das Schulkind an. Wie stolz sind wir, dass er sich den Abenteuern des Lebens mit einem breiten Lächeln und großem Herzen stellt.

Auch ich bin oft laut –  überfordert laut. Baustelle, Kinderbegleitung, neuer Job und ungewohntes Umfeld lassen viele Gefühle in mir aufploppen. So suche ich immer wieder nach dem richtigen Ventil für meine Emotionen. Merke, wie mir beispielsweise das Tanzen hilft. Wenn die Musik den Lärm des Alltags übertönt, schüttle ich die Anspannung der letzten Woche aus mir heraus.

Umso erstaunlicher, dass trotz der Geräuschkulisse, Gottes Stimme an mein Ohr und manchmal auch in mein Herz dringt. Er findet die Lücken im Zeitplan, lädt mich in seine Ruhe ein und hält sich nie die Ohren zu, wenn ich ihm etwas sagen möchte. In den letzten Wochen hat er mir immer wieder gesagt, dass ich bei ihm echt sein kann! Egal ob laut oder leise, erschöpft oder voller Tatendrang, er legt den Arm um meine Schultern, drückt mich an sein Herz und flüstert mir zu: „Manu, selbst wenn dir zur Zeit oft die Worte fehlen, dir alles zu viel und zu laut ist, ich steh an deiner Seite und trage dich durch …“


3 Kommentare

  1. Danke, dass Du wieder etwas geschrieben hast, hatte es schon vermisst. Es hat mich wieder sehr berührt.

  2. Ja, es war ein harter Kampf beim Fußballspiel. Und der Große hat mich, wie er versprochen hat, alle gemacht. 😊
    Es war ein schönes Fest.

    • Manuela Hübler

      Danke, dass du dich hast besiegen lassen. Was tut man nicht alles für die Kinder 😉

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