Atmen – Grundlage der Achtsamkeit


„Schließe deine Augen. Nimm wahr, wie du sitzt. Wie dein Rücken die Lehne berührt, deine Füße auf dem Boden stehen und deine Hände auf deinen Oberschenkeln ruhen. Komm zur Ruhe. – Jetzt achte auf deinen Atem. Spüre, wie du ein- und wieder ausatmest. Wieder ein und wieder aus. Ein und aus. Schweifen deine Gedanken ab, dann verabschiede dich freundlich von ihnen und komm wieder zu deinem Atem zurück. Konzentriere dich darauf, wie du ein- und ausatmest…“

Wo bin ich denn hier gelandet? Ich sitze mit 15 anderen Frauen (alles Frauen von Pastoren) in einem Stuhlkreis und lasse mich auf die Achtsamkeitsübung eines Psychologen ein. Achtsamkeit, ein Thema, was mich schon länger bewegt und an diesem Wochenende endlich praktisch erfahrbar ist.

Mein Mann hatte mir schon einmal davon berichtet, wie genial „Atmen“ ist. Ach „Atmen“, das mache ich doch jeden Tag. Darauf muss ich mich doch nicht konzentrieren. Wie soll mir „Atmen“ helfen, mehr im Jetzt anzukommen, im Moment zu leben? Doch genau diese Wirkung hat es, wenn ich ein paar Minuten nur mit meinem Atem beschäftigt bin. Ich komme in der Gegenwart an. Lasse die Gedanken an Gestern und Morgen außen vor, bzw. verabschiede mich freundlich von ihnen und komme zur Ruhe.

Der Atem ist das einzige, das uns ein Leben lang bleibt. Er ist immer im Augenblick. So kann ich keinen Atemzug nachholen oder für die Zukunft durchführen. Atmen geht nur im Jetzt. Unser Atem ist so existentiell und ein solches Geschenk, dass wir täglich, stündlich, minütlich, sekündlich erleben dürfen.

Und schon meine ersten fünf Minuten Achtsamkeitsübung haben sich auf meinen Körper ausgewirkt. Waren meine Hände anfangs schwitzig, weil ich wegen der neuen Situation aufgeregt war, so war nach fünf Minuten Atmen nichts davon zu spüren. Ich fühlte mich erfrischter und erholter – geerdet.

Ich bin ein Mensch, dessen Gedanken ständig kreisen. Schwierige vergangene Situationen beißen sich in meinem Kopf fest und wollen nicht verschwinden, oder auch Ängste vor zukünftigen Herausforderungen sind täglich präsent. Wieviel mehr möchte ich sie loslassen. Sie nicht als riesigen Ballast durch den Tag schleppen und meine Mundwinkel und Laune nach unten ziehen lassen.

Achtsamkeit ist für mich mehr als nur „Atmen“. Es ist die Gewissheit, im gegenwärtigen Moment und ein Leben lang geliebt zu sein. Gewollt von einem himmlischen Vater, der sich darüber freut, wenn ich den Augenblick genieße und sich nicht wünscht, dass ich mit Sorgen beladen bin.

Vielleicht setzt auch du dich einmal ein paar Minuten hin und beobachtest deinen Atem. Er kommt und geht, ist verlässlich, wie auch die Liebe Gottes zu dir!


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