Beziehung leben: Wenn Reden (nicht) so einfach ist


Eigentlich sollte hier ein Text mit meinen besten Tipps zur Kommunikation mit dem Partner stehen. Vor ein paar Tagen tippte ich diesen euphorisch in die Tasten, weil ich das Gefühl hatte, wir wären an einem Punkt angelangt, an dem es in unserer Kommunikation mal wieder richtig rund läuft. Wir hatten uns so angeregt und angenehm am Tisch unterhalten. Ich fühlte mich gut – wir fühlten uns gut.

Ich hatte wirklich wichtige Punkte herausgearbeitet:

  • Den richtigen Zeitpunkt für Gespräche wählen,
  • nicht ständig „beleidigte Leberwurst“ spielen,
  • dem Anderen immer wieder vergeben und
  • dem Anderen regelmäßig sagen, was man an ihm schätzt.

Und dann hatte mich/uns der Alltag wieder und ich merkte, wie ich in einem Punkt nach dem anderen an meine Grenzen stieß und scheiterte: So weiß ich zwar, dass ich abends nicht mehr in der Lage bin, konstruktiv ein Thema durchzugehen und ich dann schnell in einem aggressivem Ton antworte, doch wollte ich das Thema nicht auf den nächsten Tag verschieben und wurde zu später Stunde mal wieder patzig.

Zum Thema „nicht mehr beleidigte Leberwurst“ spielen. Als ich mich heute am Mittagstisch durch eine Bemerkung meines Mannes beleidigt fühlte, da spielte ich diese Rolle in Perfektion und strafte meinen Gatten, indem ich ihn ignorierte und das saubere Geschirr aus der Spülmaschine möglichst laut in die Schränke warf. (Verwunderlich, dass alles ganz blieb.)

Und das mit dem Vergeben: Ja, ich möchte immer wieder vergeben und weiß, dass ich das auch ohne Entschuldigung des Anderen tun sollte. Gar nicht so leicht. Irgendwie warte ich doch immer wieder darauf, dass mein Mann den ersten Schritt tut und bin bis dahin die besagte Leberwurst. (Um Vergebung zu bitten, das gelang mir in den letzten Tagen mal mehr, mal weniger gut.)

Versuche ich mich daran zu erinnern, wann ich in der vergangenen Woche meinem Mann gesagt habe, was ich an ihm gut fand, dann fällt mir nicht sehr viel ein. Ich könnte es auf die Still-Demenz schieben, jedoch auch ohne die würde ich nicht sehr viel aufzählen können. Möchte ich auch hier, dass mein Mann mit dem Loben anfängt, dass erst mein Ego befriedigt wird, bevor ich ihm Wertschätzung entgegenbringe?

Wieso schaffe ich es nicht, das umzusetzen, was ich doch so genau weiß? Wieso bemühe ich mich nicht ein wenig mehr für eine der wichtigsten Beziehungen meines Lebens? Wieso stehe ich mir selbst so oft im Weg?

Beantworten kann ich das noch nicht, doch ist mir heute klar, dass ich etwas ändern möchte. Dass es mein Mann wert ist, dass ich an mir arbeite, täglich, in kleinen Schritten, bis es auf lange Sicht in unserer Kommunikation rund läuft.

Und bis dahin übe ich mich darin, auch mir selbst zu vergeben, dass ich immer wieder versage…


4 Kommentare

  1. Kennst Du das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg? Ein echter Klassiker – und mein Partner und ich lesen es gerade:-) Sehr spannend und unglaublich wertvoll für die Kommunikation mit allen Menschen, dem Partner, den Kindern, Familie, Freunde, Kollegen etc. Vielleicht auch interessant für Euch- alles Liebe!

    • Manuela Hübler

      Danke, liebe Mira, für die Buchempfehlung. Im Studium hatten wir auch mal ne Einführung in gewaltfreie Kommunikation, doch könnten mein Mann und ich das wirklich mal wieder festigen und bewusst anwenden. Ich finde es übrigens sehr bewundernswert, dass ihr euch als Paar Zeit für solche Themen nehmt. Ich wünsche euch, dass eure Beziehung dadurch noch stärker wird! Liebe Grüße

  2. Eilsabeth Dombrowe

    Oh ja, meine Punkte ?! Danke für deine ehrlichen Worte! Sie ermutigen dran zu bleiben und in der Beziehung zu lernen.

    • Manuela Hübler

      Tröstlich, wenn nicht nur ich daran zu knabbern habe. 😉 Ich freue mich, dass mein Bruder sich so ne tolle Frau ausgesucht hat, der Beziehung so viel bedeutet!

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