Ich höre dich flüstern


„Du sagst mir viel zu selten, dass du mich liebst, oder attraktiv findest. Liebst du mich überhaupt noch?“ Könnte mein Mann meine Gedanken lesen, so würde er diese Worte regelmäßig zu hören bekommen. Denn diese Unsicherheit nagt an manchen Tagen an mir. Würde er mich immer noch so wie am Anfang lieben, so würde er das doch noch häufiger in Worte packen, oder? Schließlich weiß er doch, dass ich das immer mal wieder hören muss, oder nicht?

Mich berührt es in besonderem Maße, wenn Menschen mir direkt sagen, was sie an mir schätzen; dass sie mich mögen. Genauso genieße ich, wenn sich Menschen Zeit für mich nehmen. Das sind Sprachen, die ich verstehe, Zeichen, die bei mir ankommen. Zwar freue ich mich auch darüber, wenn Menschen mich praktisch unterstützen, mich beschenken oder in den Arm nehmen, jedoch erreichen diese „Worte“ nur als Flüstern mein Ohr. Ich muss schon ganz genau hinhören, um es nicht zu überhören.

Es gibt jedoch Momente, da werden die mir fremden Liebessprachen so laut gesprochen, dass selbst ich sie nicht überhören kann – so wie mein Mann es letzte Woche tat. Und das kam so: Ich wollte mal wieder etwas Neues erlernen, mich während meiner Elternzeit in einer noch unausgebauten Fähigkeit trainieren. Ich hatte vor, Fotografieren zu lernen. Bisher hatte ich mich mit meiner Kamera im Komfortbereich Automatikmodus bewegt. Jetzt war mein Ehrgeiz und Wunsch entfacht, manuell fotografieren zu können. Jeden Abend las ich mich durch Fotografie-Blogs und schaute Youtube-Videos, am Tage schnappte ich mir unsere Spiegelreflexkamera und lichtete ein Bild nach dem anderen ab. Mein Mann hätte mich einfach machen lassen können.

Doch entschied sich mein Mann für einen anderen Weg. Er hörte mir zu, interessierte sich für mein neues Hobby. Er hörte auch mein Gejammer, dass unser Objektiv in unserer Wohnung zu wenig Licht einfängt und ich mit einer Festbrennweite viel bessere Fotos erzeugen könnte. Was tat er daraufhin aus Liebe? Er belas sich, recherchierte, welches Objektiv für mich und meine Bedürfnisse passend und finanziell machbar sein könnte. Dann legte er mir seine Ergebnisse vor und bestellte zeitnah mein neues Objektiv. Seine Zuneigungsbekundung klangen leise an mein Ohr. Dass er noch weiter in seiner Liebessprache sprechen würde, hatte ich nicht erwartet. Ein paar Tage später nämlich fragte er mich, ob ich mich über ein weiteres Objektiv für bessere Portraitfotos freuen würde. Natürlich würde ich das! Ich fotografiere fast ausschließlich Personen. „Gut“, erklärte mir mein Mann, „dann fahre ich heute nach Feierabend die eine Stunde nach Leipzig und die eine Stunde zurück und hole dir dort ein gebrauchtes Objektiv.“ „Okay“, sagte ich.

Während ich an diesem Abend auf meinen Mann wartete, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Dieser Typ musste mich wirklich lieben. Er hatte Stunden recherchiert, um mir eine Freude zu bereiten. Er nahm es auf sich, seinen Feierabend im Auto zu verbringen, um mich in meinen Träumen zu unterstützen. Er stellte dafür seine Bedürfnisse hinten an. Diese „Liebesworte“ musste ich einfach verstehen.

Seit diesem Abend bin ich sensibler für die Liebessprache meines Mannes, sein Flüstern ist lauter geworden – gleicht jetzt eher eine Unterhaltung im Wartezimmer. Ich hätte jedoch nichts dagegen, wenn mein Gehör noch feiner werden würde, wenn ich alles in Popkonzert-Lautstärke hören könnte. Denn ich weiß, dass mein Mann mir seine Liebe täglich zusingt, nicht immer so, wie ich es gerne hätte, doch auf seine Art und mit seinen Möglichkeiten – das zählt und weckt in mir den Wunsch, auch laut in sein Ohr zu singen!

Welche Liebessprache versteht im am besten?


1 Kommentare

  1. Gabriela

    Sehr ehrlich und berührend. Danke für diese Worte. Du hast Recht, viel zu oft verpassen wir die Momente, in denen uns andere liebevoll begegnen, weil wir nicht genau hinhören. Ich bin jetzt durch den Beitrag motivierter, mich darin zu üben 🙂

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